Aus der Geschichte des Vereins - 2004

 

 

 

2004

EIN AUFREGENDES VEREINSJAHR VOLLER KULTURELLER ERLEBNISSE UND VIELFALTIGER AKTIVITATEN

Ich sitze am Schreibtisch in den Räumen unseres Kulturvereins und verfasse meine Begrüßungsrede für unsere Weihnachtsfeier. Wieder ist ein ganzes Jahr der Vereinstätigkeit verstrichen. Auch in diesem Jahr waren unsere Mitglieder in allen Bereichen aktiv. Die Literaturgruppe stellte ihr Jahrbuch »Zwischenmenschliche Bindungen in Marburg, Cilli und Graz vor, gleichzeitig werkten die Mitglieder bereits emsig an ihren literarischen Beiträgen für die nächste Publikation. Die Erwachsenen nahmen das gesamte Jahr über am Deutschkurs teil und besonderer Beliebtheit erfreute sich der Diskussionszirkel. Die Gruppe beteiligte sich gern an Gesprächen über literarische Themen, forschte nach den Wurzeln der Bräuche und erfuhr viel Neues über die kulturelle Überlieferung deutschsprachiger Länder. Darüber hinaus durften wir auch zahlreiche neue Mitglieder begrüßen.

Die Kinder lernten das gesamte Schuljahr über Deutsch, nahmen an interessanten Sprachwerkstätten teil und studierten die Vorstellung für die Weihnachtsfeier ein. 
Ich möchte kurz einige Meilensteine unserer diesjährigen Tätigkeit in der Zeit von Dezember 2003 bis November 2004 in Erinnerung rufen:

Dezember 2003: Dies ist jedes Jahr wegen der bereits traditionellen Weihnachtsfeier der wichtigste Monat für den Verein und somit eine Möglichkeit und angemessene Umgebung um unsere Ehrengäste und Freunde zu begrüßen. Wiederum fand die Feier gemeinsam mit dem Sprachinstitut Lindiè im prächtigen Kasinosaal des slowenischen Nationaltheaters in Marburg statt. Die Kinder wurden für ihren Auftritt von Mag. Katarina Vedernjak vorbereitet, der Leiterin der Kinderwerkstätten, für das gesamte Programm und den reibungslosen Verlauf der Veranstaltung war aus unseren Reihen Marija Lindiè verantwortlich, die die einzelnen Ehrengäste bei der Begrüßung namentlich erwähnte.

Die Kinder präsentierten ihre Aufführung »Stille Nacht, heilige Nacht«, die über die Herkunft und Geburt des meistgesungenen Weihnachtsliedes Stille Nacht erzählt, entstanden am 24. Dezember 1818 in Salzburg. Die Veranstaltung wurde durch den Singkreis aus Radlje ob Dravi/Mahrenberg mit deutschen und slowenischen Liedern unter der Leitung von Simona Štumberger musikalisch begleitet.

An der Feier nahmen zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland teil. Unter anderem beehrten uns mit ihrer Anwesenheit: der österreichische Botschafter in Slowenien, Herr Ferdinand Mayrhofer-Grünbühl und seine Gattin, der Kulturrat der österreichischen Botschaft in Slowenien, Herr Maximilian Eichinger, der Präsident des Kärntner Landtages, Herr DI Jörg Freunschlag, der Abgeordnete zum Kärntner Landtag, Herr Josef Lobnig mit Gattin, der Vorsitzende des Gottscheer Altsiedlervereins, Herr DI August Gril, seine Stellvertreterin, Frau Prof. Doris Debenjak, die Leiterin der Abteilung für Germanistik an der Pädagogischen Fakultät in Marburg, Frau Dr. Karmen Teržan-Kopecky und zahlreiche andere Gäste aus der Wirtschaft und Kultur.

An der Veranstaltung nahmen rund 200 Gäste teil.

Am 14. Dezember besuchten unsere Vereinsmitglieder auf Einladung des Abgeordneten zum Kärntner Landtag, Herrn Josef Lobnik, die Weihnachts- bzw. Neujahrsfeier in Velikovec / Völkermarkt. Ana-Marija Pušnik, die sich sehr für unsere Literaturgruppe einsetzt, trug eine Auswahl aus ihren Gedichten vor. Dort trafen wir mit den Vertretern des Gottscheer Altsiedlervereins zusammen, die der Veranstaltung durch den Auftritt ihrer Kindergruppe eine ganz besondere Note verliehen.

Jänner 2004 - am Mittwoch, den 28. Jänner stellten wir im Trauungssaal des alten Rathauses unser neues Jahrbuch »Zwischenmenschliche Bindungen« vor, die zweite derartige Publikation unseres Vereins. Die Autoren selbst lasen Ausschnitte aus ihren Prosawerken in Deutsch. Die Gedichte trug der Übersetzer, Herrn Prof. Dr. Klaus Detlef Olof aus Klagenfurt in Deutsch und Frau Melita Plešnik in Slowenisch vor. Die Präsentation begleitete unser Vereinsmitglied, Frau Ana Nikoliè, mit ihrer Zither.

Wir schlossen die Veranstaltung in einer angenehmen Gesprächsrunde mit einem Gläschen Landwein ab und ließen uns das von unseren Frauen vorbereitete Gebäck schmecken.  

Februar 2004 - am 17. Februar fand die Präsentation des Jahrbuchs in der Buchhandlung Antika in Celje/Cilli statt. Die Vorstellung verlief nach bereits bewährtem Programm. Die Autoren stellten ihre Arbeiten auf Deutsch vor, Frau Melita Plešnik las sie in slowenischer Sprache Slowenisch. Auch diesmal genossen wir die musikalische Begleitung der Frau Nikoliè mit ihrer Zither. Neben dem einheimischen Publikum aus Celje/Cilli befanden sich auch Frau Mag. Renate Reimann und ihr Gatte, Univ. Prof. Dr. Reinhold Reimann unter den Anwesenden. Über die Veranstaltung berichteten sie in ihrer Zeitschrift Lot und Waage, in der Lokalzeitung der Stadt Celje/Cilli erschien ein Artikel über dieses kulturelle Ereignis.  

März 2004 - gemeinsam mit der Pädagogischen Fakultät in Marburg und der Abteilung für Germanistik veranstalteten wir am 11. März 2004 eine Vorlesung mit dem österreichischen Botschafter in Slowenien, Herrn Ferdinand Mayrhofer-Grünbühel zum Thema »Zwischenmenschliche Bindungen«. Die Veranstaltung fand im Amphitheater der Fakultät statt. Es fanden sich über 100 Zuhörer ein, darunter zahlreiche Jugendliche. Wir sind der Überzeugung, dass das ausgewählte Thema der Vorlesung einen positiven Beitrag zum besseren Verständnis der deutschen Minderheit und ihrer gemeinsamen Geschichte sowie allgemein zum besseren Verständnis unter den Menschen leistet. 

Der 17. März war für mich, für Frau Marija Lindiè und den gesamten Kulturverein ein ganz besonderer Tag. Wir erhielten eine Einladung zum Empfang der Kulturministerin der Republik Osterreich, Frau Dr. Benita Ferrero-Waldner. Aufgeregt und lampenfiebrig fuhren wir an diesem warmen Frühlingstag mit großen Erwartungen nach Ljubljana. Das Treffen mit dieser positiven, charismatischen und ausdrucksstarken Persönlichkeit war in der Tat ein unvergessliches Erlebnis. Sie zeigte großes Interesse an der Tätigkeit unseres Vereins, wir legten ihr kurz unsere Pläne dar und sie sagte uns ihre Unterstützung zu.  

April 2004 - während all der drei Monate fanden Sprachwerkstätten für Kinder und Kurse sowie die Diskussionszirkel für die erwachsenen Teilnehmer statt. Auch die Literaturgruppe traf sich wie ursprünglich vereinbart. In diesem Monat erhielten wir eine Einladung der österreichischen Botschaft in Ljubljana zum Konzert der österreichischen Musikgruppe NIFTY'S, die eine originelle musikalische Darbietung in Kletzmerart bot. Sie gastierte in der Synagoge in Marburg. Der Einladung folgten zahlreiche Vereinsmitglieder, die durchwegs von der Vorstellung begeistert waren.

Mai 2004 - wir setzten unsere wesentlichen Aktivitäten fort und in den Vereinsräumen war immer etwas los.

Von Herrn Max Wratschgo, dem Vorsitzenden des  Karl Brunner Europahaus Neumarkt, kam die Einladung zur Teilnahme am 37. internationalen Minderheitenseminar, an dem ich mit Herrn Marjan Pungartnik gern teilnahm. Auf der imposanten Burg Forchtenstein in Neumarkt in der Steiermark trafen sich zahlreiche Minderheitenvertreter aus verschiedenen europäischen Ländern zum Seminar unter dem Motto »Minderheiten als Brückenbauer?« . Jeder Vertreter erstattete Bericht über den Status und die Rechte der jeweiligen Minderheit im Land, in dem sie leben. In Privatgesprächen wurden Erfahrungen ausgetauscht und ich musste feststellen, dass im Vergleich zur deutschen Minderheit in Ost-, Mittel- und Südeuropa (ehemalige sozialistische Länder) die Minderheit in Slowenien am schlechtesten gestellt ist. Nur in Slowenien wird sie nicht als solche anerkannt und 60 Jahre nach Kriegsende noch immer als die Sprache des Feindes dargestellt. Es stimmt zwar, dass die oben erwähnten Länder wirtschaftlich weniger gut entwickelt sind, aber hinsichtlich der Pflege der deutschen Sprache und Kultur haben sie vollkommen freie Hand und genießen die Unterstützung ihrer Regierung. Ich kam völlig deprimiert und mutlos nach Hause. Wird sich jemals in diesem wunderschönen Land »an der Sonnenseite der Alpen« etwas ändern und bessern? 

Ich bin nach dem zweiten Weltkrieg geboren, respektiere die Geschichte, lebe heute und für die Zukunft und kann nicht verstehen, dass alle Handlungen der deutschsprachigen Bevölkerung in Slowenien noch immer mit dem dunkelsten Abschnitt der deutschen Geschichte verglichen und gleichgesetzt werden.   

Juni 2004 - wir besuchten und besichtigten das Regionalmuseum Steiermark mit dem Archiv in Ehrenhausen. Das Museum stellt die historische und kulturelle Entwicklung der Region, der ehemaligen Untersteiermark, im Verlauf der vergangenen Jahrhunderte dar. Viele unter uns erfuhren zum ersten Mal die alten deutschen Namen der Städte, Märkte, Dörfer, Flüsse und Orte der Untersteiermark. Die ausgestellten Exponate dokumentieren das gemeinsame Leben zweier Völker im Verlauf der Jahrhunderte, machen den dunkleren und geschichtlich belasteten Teil der gemeinsamen Geschichte anschaulich und sind bestrebt eine bessere Verständigung in Bezug zur gemeinsamen kulturellen Überlieferung zu schaffen.

Die Sprachkurse und Werkstätten wurden langsam abgeschlossen und alle bereiteten sich auf die Ferien vor. Ende des Schuljahres fand wegen der schlechten finanziellen Lage keine Schulschlussfeier statt, es entfiel auch der geplante Ausflug zum Schulschluss und die Sprachferien. Leider erhielten wir die ursprünglich zugesagten finanziellen Mittel nicht.  

Juli 2004 - die Miete für unsere Vereinsräume für die kommenden drei Monate wurde fällig, wir waren aber vollkommen »pleite«. Der notwendige Betrag wurde uns von unseren Freunden vom AKVS geliehen.

August 2004 - noch geschehen Wunder! Wir bekamen finanzielle Unterstützung! Durch Vermittlung der Frau Doris Debenjak vom Gottscheer Altsiedlerverein und dank ihres großen Freundes- und Bekanntenkreises machte sic dieses Wunder wahr. Danke, Doris, das vergessen wir dir nie! Die Unterstützung wurde für September zugesagt, inzwischen sind Ferien und wir können inzwischen sorglos schlafen.

September 2004 - das neue Schuljahr beginnt. Wir bereiteten neue Programme und Stundenpläne für die Erwachsenen und Kinder vor und begannen mit den Aktivitäten.

Marija und ich erhielten anlässlich des Staatsbesuchs des neuen österreichischen Bundespräsidenten eine Einladung zum Empfang in die Residenz der österreichischen Botschaft. 

Wir wurden dem österreichischen Präsidenten Heinz Fischer vorgestellt und in einem kurzen Gespräch informierten wir ihn über unsere Tätigkeit. Sehr erfreut nahm er unser bescheidenes Geschenk entgegen, ein Buch über Marburg und unser Jahrbuch »Zwischenmenschliche Bindungen«. Dieses Treffen wird mir in unvergesslicher Erinnerung bleiben.

Eine Woche danach setzten wir uns an der österreichischen Botschaft in Ljubljana mit den anderen slowenischen Kulturorganisationen zur traditionellen Herbstbesprechung zusammen. Leider mussten wir dabei erfahren, dass uns der Botschafter Ferdinand Mayrhofer-Grünbühl verlässt und ab dem kommenden Jahr in Budapest eingesetzt wird. Wir werden ihn sehr vermissen! Er war für uns eine große Hilfe, unterstützte stets unsere Tätigkeit und stärkte uns im Bestreben um einen entsprechenden Status der deutschen Minderheit in Slowenien.   

Oktober 2004 - unsere Arbeit trug Früchte, die Sprachkurse wurden gut besucht und an den Werkstätten nahmen immer mehr Kinder teil. 

Wir führten die ersten Gespräche über das Konzept unserer diesjährigen Weihnachtsfeier, erarbeiteten das Programm und die Kinder begannen mit den Vorbereitungen für ihren Auftritt.

Auch in diesem Monat trafen wir uns in der österreichischen Botschaft und verabschiedeten uns vom bisherigen Kulturrat, Herrn Maximilian Eichinger. Er trat seinen verdienten Ruhestand an und wir wünschen ihm, er möge jeden einzelnen Tag genießen, den er von nun an in seiner Heimatstadt an der Donau verbringt.

Wir lernten die neue Kulturrätin kennen, Frau Natascha Grilj. Sie versprach an unserer bevorstehenden Weihnachtsfeier teilzunehmen und sich für eine finanzielle Unterstützung einzusetzen.

Die Literaturgruppe trug sorgfältig die Arbeiten ihrer Mitglieder zusammen und wählte jene aus, die im nächsten Jahrbuch erscheinen. Ana-Marija ist intensiv um die Redaktion bemüht und Marija beschäftigt sich mit den Übersetzungen der Arbeiten.  

November 2004 - umfassende Vorbereitungen für unsere Weihnachtsfeier laufen an, die bereits traditionellerweise im Kasinosaal des slowenischen Nationaltheaters in Marburg stattfindet. Die Kinder lernen für ihren Auftritt, wir bereiten die Einladungen vor und hoffen, dass an unserer Veranstaltung möglicht viele Ehrengäste aus Kultur, Wirtschaft und Politik teilnehmen.

Anfang November luden mich Doris und August zum Besuch der deutschen Botschaft in Ljubljana ein. Wir wurden vom Botschafter, Herrn Hans Jochen Peters empfangen. Er informierte sich über unsere Tätigkeit und versprach zu unserer Weihnachts- und Neujahrsfeier zu kommen. Das übertraf all meine Erwartungen, denn dieser angenehme und auf den ersten Blick sanftmütige Herr, der mit seiner Persönlichkeit die Position und Bedeutung der Bundesrepublik Deutschland darstellt, und dessen Terminplan sicherlich überlastet ist, nimmt an unserer Veranstaltung in Marburg teil!

Eine Woche danach war ein Treffen am slowenischen Kulturministerium anberaumt. Die Vertreter der in Slowenien lebenden, nicht anerkannten Minderheiten und Religionen trafen sich mit Vertretern des Ministeriums und sprachen über die seit langem offene und undefinierte Problematik der Finanzierung dieser Gemeinschaften.

Erneut besuchten wir das Museum in Ehrenhausen und nahmen an der Vorlesung von Prof. Dr. Stefan Karner zum Thema » Aus einer belasteten Geschichte in eine gemeinsame Zukunft« teil. Dabei lernte ich die engagierte Bürgermeisterin von Spielfeld, Frau Heidrun Walther kennen, die ebenfalls versprach als Vertreterin der grenznahen Stadt unsere Weihnachtsfeier zu besuchen.

Die Einladungen sind verschickt, die Kinder feilen noch an den Einzelheiten für ihren Auftritt, wir Erwachsenen besprechen noch die Details, freuen uns über die Zusagen zahlreicher Ehrengäste und hoffen, dass die Vorstellung makellos über die Bühne geht.
 
Der Buchdrucker wartet schon ungeduldig auf meinen Beitrag für das Buch, das Sie nun in Händen halten. Kaum ist ein turbulenter Abschnitt der Vereinstätigkeit erfolgreich abgeschlossen, schon erwacht in mir erneut der Tatdrang und viele Pläne warten darauf umgesetzt zu werden.

Wir möchten insbesondere folgenden Stellen unseren aufrichtigen Dank aussprechen, ohne deren Unterstützung unsere Ziele nicht zu verwirklichen wären:

Der Republik Österreich, der Steirischen Landesregierung, der Kärntner Landesregierung, dem Sozialministerium der Republik Österreich und dem Sozialminister Mag. Herbert Haupt, dem Kulturministerium der Republik Slowenien, dem VDA (Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland), Landesverband Nordrhein Westfalen und Bremen und Herrn Prof. Dr. Reinhold Reimann, Vorsitzenden des AKVS aus Graz.

 

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Obnovljeno zadnjiè 10. februarja  2010.