Aus der Geschichte des Vereins - 2006

 

 

 

2006

HINTER UNS LIEGT EIN WEITERES JAHR GESELLIGER EREIGNISSE UND INTERESSANTER MOMENTE

Ich beschließe die Beschreibung des Jahres, das nun hinter uns liegt. In den Nachbarräumen lernt eine Kindergruppe spielerisch die deutsche Sprache, in einem anderen Raum probt eine weitere Kindergruppe für ihren Auftritt bei der Weihnachts-Neujahrs-Vorstellung.
 
Ich sichte, ergänze und korrigiere die beschriebenen Ereignisse, Momente, Erlebnisse und das Wirken des Vereins in der Zeit von Dezember 2005 bis Ende November 2006. Ohne Weiteres kann ich behaupten, dass es für den Verein ein bewegtes und erfolgreiches Jahr war. Wir sind zum Deutschunterricht zusammengekommen, auf verschiedenen Veranstaltungen, bei Besuchen bekannter Politiker sowie anderer Kulturvereine aus der Heimat und aus dem Ausland, zu literarischern Schaffen und gemütlichem geselligem Beisammensein.
 
Dezember 2005 - auch diesmal haben wir gemeinsam mit dem Sprachinstitut Lindiè im Kasinosaal des Slowenischen Nationaltheaters Maribor die traditionelle Weihnachts-Silvester-Veranstaltung organisiert. Mag. Katarina Vedernjak hat die Kinder mit dem szenischen Spiel „Der kleine Prinz“ erneut erfolgreich auf einen Auftritt vorbereitet und sich darüber hinaus um ein völlstandiges Veranstaltungsprogramm gekümmert. Petra Turk, Sopran und Sebastijan Èelofiga, Bass-Bariton von der Marburger Mittelschule für Musik haben das Programm mit Werken von Schubert, Schumann und Mozart als Gaste zusätzlich bereichert. Ihre Stimmen konnten das zahlreiche Publikum hörbar begeistern. Für eine besondere Belebung der Veranstaltung sorgten jedoch die Kinder aus der Grundschule in Lieboch, die Slowenisch im Wahlfach lernen. Sie gewannen mühelos die Herzen der Zuhörer. Als Belohnung bekamen sie ein slowenisches Märchenbuch und eine CD sowie einen großen Applaus aus dem Auditorium. Nach der Darbietung plauderten wir in den neuen Vereinsräumen bei einem Glaschen steirischem Wein und Imbiss noch ein wenig mit dem Gasten. Zahlreiche Ehrengäste aus der Heimat und dem Ausland wohnten der Veranstaltung bei.
 
Januar 2006 - unter großem Zeitdruck schlossen wir den Druck unseres bereits vierten Jahrbuchs ab. Damals natürlich für das vergangene Jahr 2005. Marija hatte schon das letzte Mal lektoriert und die Worttrennungen sowie die Bildunterschriften korrigiert und alles in die Druckerei geschickt. Aber es geht nicht immer alles glatt. Unsere Begeisterung über die ersten Exemplare ließ nach, als wir gemeinsam mit dem Drucker feststellten, dass mit dem Klebstoff etwas nicht stimmte, da sich der Einband von der Schutzhülle loste. Also hatten wir auf die neuen Exemplare noch einige Tage zu warten. Das tat unserer Freude und unserem Stolz keinen Abbruch, als wir unser neues Jahrbuch endlich in Händen hielten. Nach den Silvesterferien besuchten die Mitglieder wieder die Deutschkurse in vervollständigten im Diskutierzirkel ihre Kenntnisse. Am 31.1.2006 schickten wir an die Adressen der Regierung und der Büros der politischen Parteien im Namen der Vereigung unser »Memorandum«, in dem wir die Lage der deutschsprachigen ethnischen Minderheit in unserer Heimat beschrieben und Vorschlage und Forderungen für eine diesbezügliche Regelung an.
 
Februar 2006 - war sehr stürmisch. Die Kinder haben sich in den Sprachlernwerkstatten auf den Fasching vorbereitet und die Faschingsbräuche in den deutschsprachigen Landern Europas kennengelernt. Wir hatten in den Vereinsraumen bekannte politische Personlichkeiten aus der Heimat und dem Ausland zu Gast. Zuerst besuchten uns in der zweiten Februarhälfte Mitglieder des österreichischen Parlaments. Unter der Leitung von Norbert Kapeller kamen außerdem Anton Wattaul und Werner Kummerer sowie der österreichische Botschafter in Ljubljana, Valentin Inzko. Sie interessierten sich für die Stellung der deutschsprachigen Einwohner Sloweniens, für ihre Möglichkeiten, sich in deutscher Sprache kulturell zu Äußern, sie in der Offentlichkeit zu gebrauchen sowie darüber, inwieweit Deutsch in den Schulen gelernt werden kann. Über all das haben wir uns in unseren Vereinsräumen unterhalten. Am Nachmittag führte sie ihr Weg nach Krapflern/Obèice na Dolenjskem, wo sie sich mit Mitgliedern des »Vereins der Gottscheer Altsiedler« trafen und deren Problemen sowie den Beziehungen Sloweniens zu ihrer deutschsprachigen Einwohnerschaft ihr Gehör schenkte. Am folgenden Tag wurden die Mitglieder des österreichischen Parlaments noch zu einem Gespräch im slowenischen Parlament in Ljubljana empfangen. Die größte Überraschung für unsere Mitglieder aber bedeutete ein Telefonanruf aus dem Kabinett des Republiksprasidenten: »Morgen wird der Präsident der Republik, Dr. Janez Drnovšek ihren Verein besuchen«! Die Überraschung mischte sich mit Gefühlen der Freude und des Stolzes angesichts eines so hohen Besuchs. Rasch vereinbarten wir, wer von den Mitgliedern anwesend sein sollte. Es folgten Vorbereitungen, Lampenfieber und freudige Erwartung. Er kam mit dem Burgermeister Boris Soviè und einem Stab von Sicherheitsleuten und gab sich überaus freundlich, zurückhaltend, offen und verständnisvoll. Wir stellten ihm die Arbeit unseres Vereins vor, unsere Probleme und Situation
 
Der Präsident der Republik Slowenien Dr. Janet Drnovšek im Gesprach mit zwei Mitgliedern des Vereins und baten ihn um Hilfe, insbesondere im Hinblick auf die Durchführung der Vorhaben zur »Kulturellen Verständigung« zwischen Slowenien und Österreich, die die deutschsprachige ethnische Minderheit in Slowenien betreffen. Er versprach, dieses Ansinnen an die Regierung weiterzugeben, und versicherte uns, bei der Unterzeichnung des Abkommens auch selbst in der Absicht mitzuwirken, dass ein entsprechender Artikel später ausgeführt wird (was bis jetzt nicht verwirklicht wurde).
 
Der Präsident der Republik Slowenien Dr. Janez Drnovšek und der Burgermeister der Stadt Maribor Boris Soviè zu Besuch in unserem Verein.
 
März 2006 - in den Räumen des alten Rathauses stellten wir wie jedes Jahr unser letztes Jahrbuch »Zwischenmenschliche Bindungen 2005« vor. Neben unseren Mitgliedern und Autoren nahmen an der Veranstaltung auch viele unserer Freunde aus Maribor und Osterreich teil. Die Autoren lasen ihre Werke in Prosa und Lyrik auf Deutsch, die slowenischen Versionen der Werke wurden von Melita Plešnik dargeboten. Für eine Auflockerung und die Presentation unseres Vereins und seines Wirkens sorgte die Gruppe ORF - Klagenfurt unter der Leitung von Miha Pasterk. Aufgezeichnet wurde die Arbeit der Kindergruppe in den Sprachlernwerkstätten und die Vorstellung des Jahrbuchs. Die Sendung wurde in dem Beitrag »Servus-Sreèno-Ciao« in deutscher Sprache und in slowenischer Übersetzung in der Reihe »Dober dan, Koroška« ausgestrahlt. Die Kindergruppen lernten die Bräuche des kommenden Osterfeiertages kennen und bastelten dafür eine Dekoration. Die Erwachsenen erweiterten in der ersten Gruppe ihre Kenntnisse in der deutschen Grammatik und in der zweiten Gruppe beschäftigten sie sich in der Form der Konversation mit mit verschiedenen Ereignissen, Bräuchen und dem kulturellen Ausdruck in deutscher Sprache.
 
April 2006 - Unter der Leitung der Mentorin Mag. Katarina Vedernjak trat die Kindergruppe bei der Veranstaltung »Frühlingsschätze der Kultur in Marburg« auf, die der Mazedonische Kulturverein Biljana aus Maribor organisiert hatte. Die Veranstaltung fand im renovierten Unionssaal statt. Das Programm wurde von Mitgliedern der folgenden Vereine dargeboten: der Folklore- und Gesangsgruppe des mazedonischen Kulturvereins Biljana, des kroatischen Kulturvereins, des serbischen Kulturvereins und des Vereins der Roma Romano pralipe. Als Ehrengäste waren geladen: der Burgermeister von Maribor Boris Soviè, die Geschäftsträgerin der Botschaft der Republik Mazedonien in Laibach/Ljubljana Džulija Bogatinova-Kostovska und der Vorsitzende des Bundes der Kulturvereine Maribor Franci Pivec. In den Vereinsräumen entspannen sich lebhafte Aktivitaten nach festem Stundenplan, wobei die Beschäftigung mit den Bräuchen und Formen der Begehung des Osterfeiertages einen Schwerpunkt erhielt.
 
Mai 2006 - Die Kinder begannen mit den Proben für den Auftritt bei der Veranstaltung zum Schuljahresende. Wir erwachsenen Vereinsmitglieder lauschten dem literarischen Abend mit Lyrik unseres Mitglieds Vlasta Mošiè. In den Vereinsräumen trug sie uns feinfühlig ihren Zyklus mit Liebeslyrik in deutscher Sprache vor.
 
Dann begannen die Vorbereitungen auf die großen Veranstaltungen Anfang Juni, und zwar für das Schuljahresende und das Steirertreffen. Wir verfassten und verschickten Einladungen, buchten den Saal, fertigten Plakate an und stellten das Veranstaltungsprogramm zusammen.
 
Juni 2006  - Ich hoffe auf ein neuerliches Wiedersehen im nächsten Jahr - schrieb unser Mitglied Marjana im letztjährigen Beitrag über das Steirertreffen auf Schloss Waldstein in der osterreichischen Steiermark. Und wir trafen uns erneut. Diesmal in Marburg auf der Veranstaltung zum Schuljahresende im Slomšek-Saal mitten in Maribor. Diese Veranstaltung haben wir gemeinsam mit dem Sprachinstitut Lindiè vorbereitet. Es kamen Steirer aus Graz und dem Banater Hochgebirge zu den Steirern nach Marburg. Eine Bereicherung bildete eine Gruppe von Mitgliedern der VDA aus Bremen, die sich die Schönheiten Sloweniens und die Arbeit unseres Vereins sowie unsere Veranstaltung ansah. Ehrengaste waren: Die Vorsitzende des steierischen Landtages, Walburga Beutl, der Vorsitzende der Steierer aus dem Banater Hochgebirge Erwin Ziegler und der Vorsitzende des Alpländischer Kulturverbandes AKVS aus Graz, die alle einige Grußworte zukommen ließen. Die Kinder präsentierten unter der Leitung der Lehrerinnen des Sprachinstituts Lindiè ihre Deutschkenntnisse, die sie im vergangenen Schuljahr erworben hatten.
 
Die Jugend-Folkloregruppe aus dem Banater Hochgebirge führte uns Volkstanze vor, die sorgsam über Jahrhunderte gepflegt worden waren, bis ihre Vorfahren aus der Steiermark dorthin übergesiedelt waren. Wir beschlossen den Abend im Gasthaus Freigraba bei einem schmackhaften Abendessen, gutem Steirerwein und in angenehmer Geselligkeit.
 
Landeshauptmann Voves im Gespräch mit zwei Mitgliedern des Vereins
 
Eine besondere Ehre und Anerkennung erwies unserer Arbeit und unseren Bemühungen mit seinem Besuch und dem personlichen Gesprach mit den Vertretern der deutschsprachigen ethnischen Minderheit in Slowenien der steierische Landeshauptmann Mag. Franz Voves. Auf dem Weg nach Ljubljana traf er sich zuerst am Morgen mit den Vertretern der Vereine, die in der Dachorganisation » Bund der Kulturvereine der deutschsprachigen ethnischen Minderheit in Slowenien« zusammengeschlossen sind und unterhielt sich zusammen mit zahlreichen ausländischen Journalisten über unsere Stellung in Slowenien sowie über die Probleme und Schwierigkeiten wegen der Nicht-Verwirklichung jenes Artikels aus dem Kulturabkommen, das zwischen Slowenien und Osterreich abgeschlossen wurde, das die deutschsprachige ethnische Minderheit in Slowenien betrifft. Er versprach, beim slowenischen Außenminister zu intervenieren, dem er an diesem Tag einen Besuch abstatten wollte.
Vertreter der Steirischen Landesregierung beim Treffen mit den Deutschen in Slowenien
 
Tatsachlich lasen wir am folgenden Tag in der Zeitung die Antwort des slowenischen Ministers. Auf die Frage des steirischen Landeshauptmanns, ob Slowenien das kulturelle Wirken der deutschsprachigen ethnischen Minderheit in Slowenien nicht ein wenig mehr unterstützen konnte, antwortete er, im Kulturabkommen und in der Verfassung sei bereits alles geregelt. Er sagte jedoch nicht, dass diese Gruppe in der Verfassung überhaupt nicht erwähnt wird und das Kulturabkommen in diesem Artikel, der die Gruppe erwähnt, nicht umgesetzt wird und nicht mehr wert ist als ein Blatt beschriebenes Papier.
 
Juli 2006 - Urlaubszeit. Die Kinder genossen die Ferien und die Erwachsenen verstreuten sich auf verschiedene Urlaubsorte und spannten aus.
 
August 2006 - In der zweiten Monatshälfte war ich auf Einladung von August und Doris mit ihren Mitgliedern in Südtirol. Dass unsere Gottscheer Freunde ihrerseits viele Freunde und Bekannte haben, zeigte sich schon auf dem Weg nach Bozen, wo uns beim Lodenwirt Augusts Busenfreund Herr Fischnaller erwartete und uns mit seiner Gattin auf ein Dorffest mit Bier und heimischen Spezialitäten einlud. Die Mitglieder des Vereins der Gottscheer Altsiedler hatte der Landeshauptmann der autonomen Region Südtirol, Luis Dürnwalder selbst nach Bozen eingeladen. Doris, August, Primož und ich reisten mit dem Auto. Die übrigen Mitglieder des Vereins der Gottscheer Altsiedler, Kinder und Eltern kamen mit dem Bus nach Südtirol. In Bozen gesellte sich beim Mittagessen Dr. Karl Rainer zu uns. Er unterhielt sich mit August vor allem über die Pflanzung alter Obstsorten in Krapflern/Obèice, die die Gottscheer zusammen mit Südtirol und Deutschland vorbereiten, ein Projekt, das auch mit Mitteln der Europäischen Union unterstützt wird. Gleich nach dem Mittagessen führte uns Dr. Rainer ins Landesparlament, wo uns die Vizepräsidentin des Parlaments, Frau Rosa Thaler Zelger empfing. Nach einer kurzen Präsentation über Südtirol wurden wir in der Aula mit einem Imbiss bewirtet. Die Gottscheer setzten ihre Aktivitäten programmgemäß fort, während ich das Nachbarsgebäude besichtigte, das das Kulturinstitut beherbergt. Im Lager für Buchgeschenke durfte ich nach eigenem Gutdünken Bücher für unsere Bibliothek aussuchen und sie im Bus unserer Gottscheer Freunde verstauen. Nach einem kurzen Streifzug durch Bozen begleitete uns Dr. Rainer nach Laimburg. Dort wurden die Gottscheer bereits von Dr. Luis Dürnwalder, dem Landeshauptmann von Südtirol, und seinen Freunden mit einem Gläschen Sekt erwartet. Nun folgte der feierlichste Moment auf der Reise der Gottscheer. Der Landeshauptmann übergab August als dem Vorsitzenden des Vereins der Gottscheer Altsiedler einen Traktor mit Anhänger, ein Geschenk der Stiftung Südtiroler Sparkasse. Ein fantastisches Abendessen im Laimburger Keller schloss sich an. Der Kinderchor des Vereins der Gottscheer Altsiedler sang einige Lieder auf gottscheeisch und deutsch und begeisterte damit alle Anwesenden. Die Klingler-Buben taten das ihre hinzu und so wurde die Stimmung unbeschreiblich. Nach einer allzu kurzen Nacht und dem Frühstück machten wir uns auf den Weg ins Ahrntal, um uns anzusehen, was die fleißigen Bewohner mit Hilfe von Mitteln der Europäischen Union und ihrer Regierung in diesem wunderbaren Tal für ihr Wohl taten. Begleitet wurden wir von Dr. Rainer und Dr. Holzer. Und es gab etwas zu sehen. In Sand und Taufers empfing uns der Bürgermeister und erzahlte stolz, dass es in seiner Gemeinde 5000 Einwohner und 2000 Arbeitsplatze gibt, eine gute Infrastruktur und entwickelten Tourismus. Ähnliches gilt für Mühlwald und das auf 1436 M liegende Dorfchen Lappach. Zu jedem der gepflegten Häuser führt eine asphaltierte Straße. Jedes Dorf hat eine Schule, Kanalisation, Kabelbasierte Telekommunikation, Wasserleitungen. Wir trafen auf fleißige, sparsame und sehr freundliche Menschen. Offensichtlich ist die Regierung daran interessiert, dass die Bewohner auf ihren Bergen und in ihren Tälern bleiben, hilft ihnen dabei ausgiebig und betreibt präventiv die geeignete Politik. Eine solche Regierungspolitik und Entwicklung würde ich mir auch in Slowenien wünschen. Ich hoffe und ich wünsche, dass für die Gottscheer das Projekt »Europäische Pflanzung alter Obstsorten« durch die Unterstützung seitens Südtirol und der Europäischen Union ein Erfolg wird.
 
September 2006 - Zunächst wirkte ich am Symposium der deutschsprachigen Minderheiten in den ehemaligen sozialistischen Staaten mit, das wie alljährlich die VLOE organisiert hatte und das heuer in Osijek stattfand. Das Thema der Referate lautete »Was hat uns die Mitgliedschaft in der EU gebracht?« Am Symposium nahmen Vertreter der deutschen Minderheiten aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Slowenien, Rumänien, das zum 1.1.2007 Mitglied der EU werden würde, sowie der Ukraine, Serbien und Kroatiens. Am ersten Tag des Symposiums sprach uns zunächst der Gesandte des österreichischen Augenministeriums, Dr. Thomas Buchsbaum, mit den Worten an: Denkwürdig ist die Tatsache, dass heute, nach den blutigen Ereignissen in dieser Region vor fünfzehn Jahren, ein Kongress deutscher Minderheiten stattfinden kann. Den ersten Vortrag hielt der Gast des Symposiums, Mag. Peter Karpf aus dem Büro für die Minderheiten der Kärntner Landesregierung, der die Form der mustergültigen Finanzierung der slowenischen Minderheit in Kärnten als Vergleichsmasstab für die folgenden Referate der deutschen Minderheiten aus ehemaligen sozialistischen Staaten darstellte, deren Situation in jedem Staat eine andere ist. In allen oben erwähnten Staaten sind die Deutschen als Minderheit anerkannt, die einzige Ausnahme bildet Slowenien. In all diesen Staaten erhalten die Minderheiten auch staatliche Unterstützung bei der Finanzierung von Kulturzentren und ihrem Wirken, außer in Slowenien. Die deutschen Minderheiten in diesen Staaten werden auf unterschiedlichem Weg auch finanziell von den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Osterreich über deren Botschaften unterstützt. Einen Parlamentsvertreter hat nur die deutsche Minderheit in Polen, in Rumänien, Ungarn und in der Ukraine gemeinsame Vertreter mit anderen anerkannten Minderheiten. Ähnliches gilt für das Schul- und Bildungswesen. Deutsche Kindergarten, Grundschulen und Gymnasien bestehen in Rumänien und Polen, in den anderen Staaten organisiert der Staat bzw. das öffentliche Schulwesen den Unterricht für die Kinder der deutschen Minderheit, nur in Slowenien wird an einzelnen Grundschulen die deutsche Sprache zumeist als Wahlfach angeboten und an den Mittelschulen als zweite Fremdsprache. Aber nie als Unterstützung für die deutschsprachige ethnische Minderheit in Slowenien. Als die Vortrage zu Ende waren, stellte sich die Frage: Was hat uns die EU bis jetzt gebracht? Eigentlich nichts Neues, aber es bleibt die Hoffnung, dass sich künftig auch auf der Ebene der EU die Minderheitenfrage immerhin stellen wird.
 
Nach Abschluss des Symposiums sahen wir uns die Stadt Osijek an und besuchten Valpova, wo nach dem Zweiten Weltkrieg ein großes kommunistisches Sammellager für die Einwohner der deutschen Volksgruppe in dieser Region bestand. Am Denkmal für die tausende in diesem Lager verstorbenen würdigten wir die Opfer des kommunistischen Terrors, legten einen Kranz nieder und gedachten ihrer. Am Abend horten wir in der Heiligkreuz-Kirche in Osijek ein Konzert des Kinderchors Brevisi und Zumbièi. Anderntags fuhren wir auf dem Nachhauseweg durch die zerstörte und nur teilweise wieder aufgebaute Heldenstadt Vukovar und hielten am Friedhof der gefallenen und ermordeten Verteidiger und Bewohner dieser von der serbischen Aggression zerstörten Stadt. Der Blick auf Vukovar und besonders auf die vielen Denkmäler für die Gefallenen, zumeist jungen Verteidiger der Stadt ist erschütternd, die zu früh ihre Ruhe auf dem riesigen Friedhof gefunden haben, zum Gedenken und zur Mahnung an den menschlichen Wahnsinn am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts.
 
Oktober 2006 - Auch für uns im Verein begann ein neues Schuljahr. Wir trafen uns, entwarfen ein Programm für das nächste Jahr und erfassten Interessierte. Programmgemäß begannen die Kurse und die Konversation in deutscher Sprache für Erwachsene und die Sprachlernwerkstatten für die Kinder. Wir hielten auch die Jahressitzung der Mitglieder ab, auf der wir uns über die zurückliegende und kommende Arbeit des Vereins unterhielten. Ich begab mich auf Einladung des Kulturbundes AKVS aus Graz und des Bundes der Deutschen aus dem Banater Hochgebirge in die Stadt Resitza in Rumänien. Die Woche, die ich in diesem Teil Rumäniens verbrachte, war ausgesprochen interessant. Die deutschsprachigen Einwohner des Banater Hochgebirges sehen sich als Steirer. Ist doch die Mehrheit ihrer Vorfahren zu einer Zeit aus der Steiermark in diese Gegend übergesiedelt, als sich die Türken aus diesem Gebiet zurückzogen und die Habsburger fleißige Arbeiter für die Arbeit in den dortigen Bergwerken, Wäldern und der sich entwickelnden Industrie brauchten. Trotz der großen Armut und des Terrors zur Zeit der Ceausescudiktatur konnten die deutsche Sprache und die deutschen Schulen erhalten werden. Deshalb gibt es noch heute Kindergarten, Grundschulen und Gymnasien sowie Fakultäten in deutscher Sprache. Man ist als Minderheit anerkannt und kann seiner Zugehörigkeit und Kultur freien Ausdruck geben. In Resitza gibt es auch eine große, moderne deutsche Bibliothek, ein Geschenk der Regierung der Bundesrepublik Deutschland. Dort wird alljährlich die » Dekade der deutschen Kultur« organisiert, die an mehreren Orten der Region durchgeführt wird. Obwohl seit dem Fall des kommunistischen Regimes schon fünfzehn Jahre vergangen sind, hat sich in diesem Teil Rumäniens nicht viel verändert. Überall sieht man verfallene veraltete Industriegebäude und den Verfall der Wirtschaft in Stadt und Land. Es gibt sehr viele Roma (die dort Zigeuner genannt werden), die durch die Stadt streichen und aufdringlich betteln. Die Bevölkerung ist sehr gemischt. Sowohl nach Volkszugehörigkeit wie nach Glauben. Aber das wirkt nicht spaltend, sondern verbindend. Wenn beispielsweise eine heilige Messe in der katholischen Kirche stattfindet, kommen auch alle Vertreter anderer Glaubensgemeinschaften dorthin und wohnen der Zeremonie bei. Allgemein sind die Menschen dort sehr religiös und vor jeder Veranstaltung ist zuerst eine Messe. Wenn es eine große Veranstaltung ist, finden Messen aller Gotteshäuser auf einmal statt und von dort kommt man zusammen mit dem Glaubensvertreter auf die Veranstaltung. Die Messe wird gewöhnlich in drei Sprachen abgehalten, auf Rumänisch, Deutsch und Ungarisch. Auf unterschiedliche Veranstaltungen, die sich in dieser Zeit in der ganze Region abspielten, kamen Angehörige aller Volksgruppen. Die Ansprachen erfolgen zuerst auf Deutsch, dann auf Rumänisch. Obligatorisch ist auf jeder Veranstaltung die Anwesenheit des Bürgermeisters mit Scharpenpflicht, der gewöhnlich beide Sprachen spricht oder von einem Übersetzer begleitet wird. Die größte Kulturveranstaltung war in dem Stadtchen Božovièi (Bosowitschi): die Enthüllung des Denkmals für den unbekannten Helden. Hier ereigneten sich nämlich im Herbst 1944 schwere Kämpfe zwischen den Deutschen und der Roten Armee. Viele Deutsche, Russen und Rumänen sind dabei gefallen. Zum Gedenken an die Gefallenen errichtete und enthüllte in diesem Stadtchen für alle Gefallenen Soldaten in dieser Region die Organisation Österreichisches schwarzes Kreuz (zugegen war auch der Botschafter der Republik Osterreich in Bukarest) und der Deutsche Verein für die Kriegsgräberfürsorge (hier war der deutsche Militär-Attache anwesend) gemeinsam mit Vertretern Russlands (darunter ein russischer Militär-Attache aus der russischen Botschaft in Bukarest) und Regierungs- sowie Armeevertreter Rumäniens ein Denkmal. Es ist ein Denkmal der Versöhnung, des Gedenkens und der Mahnung. Die Bewohner Rumäniens sind dazu trotz der Armut und der hohen Arbeitslosigkeit in ihrem Staat fähig. Die ganze Zeit regte sich wahrend dieser Feierlichkeit in meinem Kopf die Frage: Wann wird so etwas auch im fortschrittlichen Neumitglied der EU möglich sein - in Slowenien?
 
November 2006 - Die Kurse gehen weiter, die Konversation und gesellige Treffen für die Erwachsenen und die Sprachlernwerkstatten für die Kinder. Und es begannen die Vorbereitungen für den Auftritt auf der Weihnachts-Neujahr-Veranstaltung, die Anfang Dezember stattfinden soll. Wie gewöhnlich lag das in den Händen von Mag. Katarina Vedernjak, ihr half jedoch auch die Dozentin Maja Miklavc. Nun habe ich alle Beiträge für das neue Jahrbuch »Zwischenmenschliche Bindungen 2006« gesammelt und zur Übersetzung verschickt. Auch alle bildnerischen Beiträge warten schon auf den Drucker. Ende des Monats nahmen Marija und ich noch am XVII. Europäischen Volksgruppenkongress teil, den das Volksgruppenbüro des Landes Kärnten in Klagenfurt organisiert hatte.
 
So habe ich zuletzt über das vergangene Jahr berichtet. Es war für den Verein und seine Aktivitäten bewegt und ich meine, behaupten zu können auch erfolgreich. Wir danken dem Kultusministerium der Republik Slowenien, dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Ljubljana und dem Kärntner Landeshauptmann sowie dem Steiermärkischen Landeshauptmann für die finanziellen Mittel , die sie dem Druck und der Herausgabe dieses Jahrbuchs zugedacht haben.

 

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Obnovljeno zadnjiè 11. septembra 2008.