Aus der Geschichte des Vereins - 2007

 

 

 

2007

Die Monate eilten wie des Flusses Drava Wellen, der Maribor durchfließt, einer um den andern auf leisen Sohlen und tauchten ab in die Vergangenheit. Wie schnell das Jahr wieder verging! Ich habe meinen Beitrag für das Jahrbuch von Dezember bis November 2007 abzuschließen. Auch dieses Jahr war lebhaft, voller geselliger Zusammenkünfte, literarischem Schaffen, voller Besuche von Politikern, Vereinen und Freunden aus dem Ausland und von interessanten Veranstaltungen. 

Dezember 2006 – das zentrale Ereignis der alljährlichen Adventszeit in unserem Verein ist die Veranstaltung zu Weihnachten und Neujahr, die auch diesmal im herrlichen Kasinosaal des SNT Maribor stattfand. Die Kinder, die die Sprachwerkstätten des Kulturvereins besuchen und diejenigen aus den Deutschkursen des Sprachinstituts Lindiè brachten unter der Leitung von Prof. Maja Miklavc und Mag. Katharina Vedernjak das Weihnachtsspiel »Rudolf, das kleine Rentier« zu erfolgreicher Aufführung und stellten dabei ihre Deutschkenntnisse unter Beweis. Die Vorführung fand beim Publikum außerordentlichen Beifall. Zudem wurde die Vorstellung von den Mariborer Künstlern Petra Turk (Sopran) und Sergej Rupreht (Tenor) mit Werken von Hugo Wolf und Franz Lehar musikalisch umrahmt, am Klavier von Prof. Zvezdana Pleško begleitet. Anwesend waren auch  zahlreiche Ehrengäste aus der Heimat und dem Ausland. Unter anderen beehrten unsere Veranstaltung mit Ihrem Besuch: der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Ljubljana, Herr Dr. Hans-Joachim Goetz, aus der Botschaft der Bundesrepublik Österreich in Ljubljana die Gesandte Frau Mag. Erika Bernhard, der Vorsitzende des Kärntner Landtags, Herr Josef Lobnig, der Präsident der AKVS Graz, Herr Prof. Dr. Reinhold Reimann, die Vorsitzende des Bundes der Deutschen – der Untersteirer Graz, Frau Ingeborg Mallner, der Präsident der Kulturvereine der deutschsprachigen ethnischen Gemeinschaft in Slowenien und der Vorsitzende des Vereins der Gottscheer Altsiedler, Herr Dipl. Ing. August Gril und die Vizepräsidentin des Vereins der Gottscheer Altsiedler, Frau Prof. Doris Debenjak. Nach der Vorstellung setzten wir das gesellige Beisammensein bei einem guten Gläschen Wein und angenehmer Plauderei in den Vereinsräumen fort.
 
Wir Vereinsmitglieder organisierten außerdem noch in der Vorweihnachtszeit einen Ausflug, fuhren für einen Tag nach Salzburg und sahen uns Mozarts Geburtshaus und andere Salzburger Sehenswürdigkeiten an. Wir erstanden kleinere Mitbringsel auf dem Christkindlmarkt und gönnten uns einen heißen Punsch auf dem Mozartplatz.

Januar 2007 – die Vereinsmitglieder setzten das Deutschlernen fort, mit besonderem Augenmerk auf die Grammatik und die Rechtschreibregeln, und arbeiteten in einem Diskussionskreis zusammen. Die Kinder wurden in Sprachworkshops unterrichtet und die für die Herausgabe unseres regelmäßigen Jahrbuchs Verantwortlichen kämpften wieder mit der Zeit, der Lektorierung, der Austattung und der Gestaltung des bereits fünften zweisprachigen Jahrbuchs »Zwischenmenschliche Bindungen«. Wir warteten schon ungeduldig auf die ersten Exemplare, als uns aus der Druckerei wie eine kalte Dusche die Nachricht erreichte, man habe dort nicht rechtzeitig die bestellte Menge Papier erhalten und dies verzögere die Drucklegung auf Ende Januar.

Februar 2007 – endlich nahmen wir unser neues Jahrbuch aus der Druckerei in Empfang. Wir waren alle sehr stolz darauf. Besonders die Autoren aus der Literaturgruppe, die mit ihren Prosawerken und Gedichten mitwirkten, sowie diejenigen unserer Mitglieder, die zur Publikation ihre Bildwerke beitrugen. Nun stand die feierliche Präsentation des Jahrbuchs an. Alljährlich hatten wir zu diesem Zweck vom Bürgermeister der Stadt Maribor den Hochzeitssaal des alten Rathauses zur Verfügung gestellt bekommen. Da wir Ende vergangenen Jahres einen neuen Bürgermeister bekommen hatten, war das nicht mehr selbstverständlich. Wir übersandten eine Bewerbung für den Saal und mit der Unterstützung des Botschafters der BRD in Ljubljana, Herrn Dr. Hans-Joachim Goetz, bewilligte uns der Bürgermeister dessen Nutzung für die Präsentation des Jahrbuchs. 

März 2007 – vor vollbesetztem Saal präsentierten wir unser neues zweisprachiges Jahrbuch »Vezi med ljudmi – Zwischenmenschliche Bindungen« für das Jahr 2007. Die Autoren lasen aus ihren Werken in Prosa und Lyrik auf Deutsch, Prosawerke wurden auf Slowenisch von Melita Plešnik vorgetragen, Gedichte von Toni Götz. Das Jahrbuch wurde vom gesamten Publikum mit großer Zustimmung aufgenommen. Wir schickten es auch unseren ausländischen Freunden zu. 

Ende März beehrte uns der Bürgermeister der Steirischen Landeshauptstadt Graz samt Begleitung mit seinem Besuch. Er verbrachte mit unseren Vereinsmitgliedern längere Zeit bei angenehmen Gesprächen. Insbesondere interessierte er sich für das Wirken unseres Vereins, für die Reaktionen der Bevölkerungsmehrheit auf die deutsche Minderheit in Slowenien sowie für den Stand der Unterstützung dieser Minderheit durch den slowenischen Staat. Wir empfanden diesen Besuch als große Ehre und als moralische Unterstützung für unsere Arbeit.

April 2007 – Die älteren Vereinsmitglieder setzen die Kurse und Stunden in deutscher  Konversation fort und schmieden Pläne für einen Ausflug nach Ehrenhausen, wo man        sich das Museum für die Untersteiermark und ihre Bewohner sowie für deren Nachkriegskultur ansehen will. 

Die Kinder bereiten sich bereits auf den Auftritt bei der Veranstaltung zum Schuljahresende vor, die Ende Mai im Unionssaal in Maribor stattfindet. Diesmal führen sie das szenische Spiel »Die dicke Rübe« auf und tragen einige kleinere Lieder in deutscher Sprache vor. Zur Belebung des Programms erwarten wir Kinder aus der österreichischen Steiermark und zwar aus dem Dorf Siebing, die für unsere Veranstaltung das szenische Spiel »Das goldene Gänschen« vorbereiten, eine Adaption des bekannten Märchens der Gebrüder Grimm.

Der Mai 2007 war sehr abwechslungsreich und voll von unterschiedlichsten Ereignissen. Zuerst wurden wir als Vertreter aller deutschen Vereine in Slowenien in die Residenz des österreichischen Botschafters in Ljubljana eingeladen, wo uns der österreichische Regierungschef Alfred Gusenbauer zu Gesprächen empfing. Die Unterhaltung drehte sich vor allem um die deutsche Minderheit, um deren Probleme und die Verständnislosigkeit  der slowenischen Regierung gegenüber einer rechtlichen Regelung ihres Status. Ende Mai bereiteten wir in Zusammenarbeit mit dem Sprachinstitut Lindiè im Unionssaal die Feier zum Schuljahresende vor. Die Kindertheatergruppe studierte das zweisprachige szenische Spiel »Die dicke Rübe« ein und führte es auf, die jüngeren sangen kleinere Lieder, die sie im Deutschunterricht gelernt hatten. 

Eine zusätzliche Bereicherung stellten die Kinder der Grundschule Siebing aus der österreichischen Steiermark mit einer Adaption des Grimmschen Märchens »Die goldene Gans« unter der Leitung des unermüdlichen Mentors, des Lehrers im Ruhestand, Herrn Dietmar Zittek dar. Die Veranstaltung wurde außerdem von mehreren Ehrengästen besucht. Darunter waren: der österreichische Botschafter in Ljubljana, Herr Dr. Valentin Inzko, die Kulturreferentin aus der deutschen Botschaft in Ljubljana, Frau Dr. Regine Grienberger, der Vorsitzende des Kärntner Landtags, Herr Josef Lobnig, der Leiter des Goetheinstitus in Ljubljana, Herr Abed Naumann mit Gattin, der Präsident des internationalen Vereins »Most svobode / Freiheitsbrücke«, Herr Ludvik Kolnik, der Vorsitzende des Vereins AKVS aus Graz, Herr Univers. Prof. Dr. Reinhold Reimann mit einer Besuchergruppe aus dem österreichischen Kärnten sowie eine Gruppe guter Bekannter und Freunde aus dem Dorf Klöch, das in der Nähe des österreichischen Radgona (Kreis Bad Radkersburg) liegt. Nach der Vorstellung setzte wir das gesellige Beisammensein bei einem Gläschen steirischen Weins in den Vereinsräumen fort. In den letzten Maitagen kamen wir wieder mit Steirern aus der österreichischen Steiermark, aus dem Banater Hochgebirge in Rumänien zum alljährlichen, bereits traditionellen Steirertreffen zusammen. Das diesjährige Treffen verlief in Form eines angenehmen Ausflugs durch das steirische Hochgebirge in Österreich und die Orte Mixnitz und Breitenau sowie über die Teichalm. Unterdessen rasteten wir noch im angenehmen Almgasthof »Der Strasseg-Wirt«, wo wir uns nach einem guten Mittagessen noch im Spiel auf ungewöhnlichen Instrumenten versuchten, als da waren eine Säge, ein Besen, ein Reibeisen und zwei Topfdeckel. 
    
Der Juni 2007 stand ganz im Zeichen des Schuljahresendes. Die Kinder beendeten die sprachwerkstätten und die Schule und machten sich in die verdienten Ferien auf. Die erwachsenen Vereinsmitglieder begaben sich auf einen Ausflug in das nahegelegene Städtchen Ehrenhausen über die Grenze, wo Herr Oskar Schauritsch, ein gebürtiger Mariborer, mit großer Mühe und Enthusiasmus das ethnografische Museum »Untersteiermark« eingerichtet hat. 

Dort sind Exponate ausgestellt, die nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebene Volksdeutsche aus der Untersteiermark mitgebracht hatten. Einige Exponate wurden überdies später von Verwandten und Bekannten erworben, die noch in Slowenien leben. Dort erfuhen wir, wie Städte und Dörfer, in denen damals überwiegend volksdeutsche Bevölkerung gemeinsam mit slowenischer lebte, vor dem Zweiten Weltkrieg hießen. Wir sahen, dass Maribor Marburg, Celje Cilli, Ptuj Pettau usw. waren. Wir lernten die Literatur, Kultur, die Gewohnheiten und das gesellschaftliche wie sportliche Leben unserer Vorfahren kennen. Es war sehr interessant und lehrreich. Es wurde deutlich, dass all das einen Wert hatte, wovon man uns in Jugoslawien fünfzig Jahre nach dem Krieg zu beweisen versuchte, es habe keinen, und uns klarzumachen versuchte, dass wir uns dafür, dass wir Volksdeutsche waren, zu schämen hatten. Nach der Besichtigung des Museums begaben wir uns auf die Steirer Weinstraße und unter die schattige Pergola einer wunderbar eingerichteten Weinschenke. Die Hausherrin wartete uns mit hausgemachten Köstlichkeiten und einem Tröpfchen Steirerwein auf. Den herrlich sonnigen Tag beschlossen wir noch mit einem Trip auf die slowenische Seite, wo wir von einem Aussichtsturm aus die wunderbaren grünen streirischen Hügel zu beiden Seiten der Grenze betrachteten.

Juli 2007 – Ferien- und Urlaubszeit. Jedes Mitglied verbringt die heißen Sommertage für sich. Ich auch. 

August 2007 – die Ferien dauern an, während ich freilich noch einigen Pflichten nachzukommen habe, die einer Vereinsvorsitzenden zufallen und die doch unvermeidlich sind. Schon seit Mai liegt die Einladung des OKB Klöch auf meinem Schreibtisch, der uns zu seiner 120-Jahr-Feier und zur Enthüllung des renovierten Denkmals für die in beiden Kriegen gefallenen Gemeindemitglieder einlädt. Man hatte sich letztes Jahr in Režica bei den Steirern im Banater Hochgebirge in Rumänien kennengelernt. Da sie ihrerseits auf unsere Feier zum Schuljahresende gekommmen waren, war es selbstverständlich, dass wir den Besuch erwidern mussten. Zu dieser Zeit sind aber gewöhnlich alle unsere Mitglieder in den Ferien. Ich sprach also meine jüngere Tochter und Herrn Maier aus Mureck darauf an, dass wir nach Klöch fahren. Weil ich noch nie dort gewesen war, war ich natürlich sehr neugierig, was mich dort erwarten würde. Es gab durchaus etwas zu sehen. Es ist ein wunderbarer Flecken (trška obèina / Marktgemeinde), der inmitten herrlicher Weinberge liegt, mit überaus freundlichen Bewohnern (nach der letzten Zählung 1.395, und im Internet erfährt man, dass dieser Ort die »Perle der südsteirischen Weinlandschaft« sei). Die 120-Jahr-Feier des dortigen Vereins wurde eine noch größere Überraschung. Es kamen über 750 Besucher, unter ihnen 47 Bannerträger aus den Nachbargemeinden, eine Ehrengarde, ein Blasorchester und viele bedeutsame Leute aus Politik und Kultur. Die gesamte Veranstaltung war feierlich und rührend. Die einheimischen Frauen waren größtenteils in Nationaltrachten (Dirndl) gekleidet und die Herren trugen traditionelle steirische Kleidung und einen Steirerhut. Auf die Feier folgte eine Bewirtung der Gäste mit heimischen Köstlichkeiten und gutem Wein, den man dort herstellt und für den man weithin bekannt ist. Ich nahm die Erinnerung an überaus freundliche Menschen und einen wunderbaren Tag inmitten einer herrlichen Landschaft mit nach Hause. Am letzten Augusttag kamen wir Vertreter des Vereins der Einladung des Bezirkshauptmanns Dr. Aleksander Majcan aus Radkersburg zum »Tag der Steiermark« bei der 45. internationalen Landwirtschafts-Lebensmittel-Messe in Gornja Radgona nach. 

September 2007 – für einige sind die Ferien zu Ende. Schon am Monatsanfang  bereiteten sich drei Vertreter des Vereins vor und nahmen am 7. Symposion der deutschen Minderheiten aus den ehemals kommunistischen Staaten teil, das diesmal in Prag stattfand. Das Thema des Symposions war die »Literatur der deutschen Minderheit nach dem Zweiten Weltkrieg«. Die Vertreter jedes Staates bereiteten je ein Referat vor und brachten je zwei Autoren mit. Die Vorträge waren sehr interessant, denn sie zeigten den Zustand der deutschen Sprache sowie das Verhältnis jedes einzelnen Staates zur deutschen Minderheit und deren Spache nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute auf. Eine zusätzliche Abwechslung brachten Lesungen der Autoren aus ihren Werken in Prosa und Lyrik. Binnen dreier Tage folgten die Referate und Auroren aus Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien, Serbien, Kroatien und Slowenien aufeinander. Am schwierigsten ist im Hinblick darauf nach wie vor die Situation der Einwohner deutscher Nationalität in den Staaten des früheren Jugoslawiens. 

Im Oktober 2007 begann ein neues Schuljahr. Die Kinder fingen mit den 
Sprachworkshops an, und wir Erwachsenen beschlossen auf dem ersten Treffen, neben dem Deutschkurs und dem Diskussionskreis wöchentlich noch einen Mal- und Zeichen- sowie einen Computerkurs für diejenigen Senioren einzurichten, die in die Geheimnisse der Arbeit am Computer eingeweiht werden möchten. Wir legten einen Stundenplan fest und Interessenten schrieben sich ein. Ich stelle fest, dass es jedes Jahr mehr werden und dass sie mit dieser Geselligkeit unter dem Vorzeichen der deutschen Sprache sehr zufrieden sind und stets neue Ideen entwickeln.

November 2007 – Mitte des Monats brach ich  nach Režica ins Banater Hochgebirge in Rumänien zur 20-Jahr-Feier der »Deutschen Vortragsreihe Reschitza« auf. Es handelt sich um einen Kulturverein, der mit der Ausbildung Erwachsener aus der deutschen Minderheit im Kreis Caras-Severin mit Sitz in Režica befasst ist. Mehrere Dörfer in diesem Bezirk hatte ich bereits kennegelernt bzw. besuchte ich aufs Neue, wo Angehörige der deutschen Minderheit leben und mit großem Enthusiasmus die Kultur und Sprache ihrer Vorfahren pflegen, die großenteils zur Zeit der Frühindustrialisierung und der Inbetriebnahme zahlreicher Eisen und Kohlebergwerke aus der Steiermark dorthin gekommen waren. Ebensoviele Kirchlein, Gebäude und Namen auf den Friedhöfen zeugen von der Anwesenheit und dem Fleiß unserer Landsleute in diesem Teil Europas. 

Die Kinder besuchen die Sprachworkshops und die Theatergruppe bereitet sich schon auf den Auftritt bei der Weihnachts-Neujahrsfeier vor, die auch diesmal Anfang Dezember im Casinosaal des SNT Maribor stattfindet. Diesmal bereiten sie das szenische Spiel »Die Pantoffelmieze« vor. Die Erwachsenen besuchen regelmäßig alle Kurse. Mitte Dezember werden sie sich auf einen Ausflug nach Bad Ischl begeben und sich den »Wolfgangsee« und das bekannte Gasthaus »Zum weißen Rössl« ansehen. 

Auch diesmal möchte ich mich recht herzlich bei allen bedanken, die uns durch Bereitstellung finanzieller Mittel den Druck und die Herausgabe dieses Jahrbuchs ermöglicht haben und die uns bei der Durchführung von Projekten zur Erhaltung, Pflege und Verbreitung der deutschen Sprache unterstützt haben.

Veronika Haring
Vereinsvorsitzende

 

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Obnovljeno zadnjiè 10. februarja 2010.